Ein Bil­der­buch-Fest­tag

WZ Aus­ga­be vom 10 Juli 2017

Von Dani­el Diekhans

Mit viel Son­ne fei­er­ten die Cro­nen­ber­ger ihr tra­di­ti­ons­rei­ches Fest. Der Tag begann mit einer 5.000-Euro-Spende, die mit gro­ßer Freu­de auf­ge­nom­men wurde.

Es war ein tol­ler „Kis­ten-Tag“. Bei strah­len­der Son­ne konn­ten Besu­cher über die 24. Cro­nen­ber­ger Werk­zeug­kis­te fla­nie­ren. Schon vor dem offi­zi­el­len Start­schuss um 9.30 Uhr füll­ten sie die Stra­ßen zwi­schen Ehren­mal und Lin­den­al­lee. Ver­kaufs- und Trö­del­stän­de boten Essen, Trin­ken und Schnäpp­chen. Bevor die Sound Trumpets Wup­per­gold das Büh­nen­pro­gramm am Rat­haus­platz eröff­ne­ten, stell­te Ste­fan Alker vom Orga-Team die bei­den Schirm­her­ren vor.

Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Mucke griff das Mot­to „Ein­an­der ver­ste­hen – mit­ein­an­der leben“ auf, das seit der ers­ten Werk­zeug­kis­te 1972 Bestand hat. Da müs­se man tüch­tig fei­ern, mein­te er: „Ist für einen guten Zweck.“ So geht der Rein­erlös des Fes­tes in die­sem Jahr an die Kin­der- und Jugend­wohn­grup­pen der Stadt Wup­per­tal. Vor allem die Not­auf­nah­me für Mäd­chen und Jun­gen unter 14 Jah­ren am Jagd­haus soll unter­stützt wer­den. Ein ech­ter Coup gelang Co-Schirm­herr Tho­mas Mey­er, Prä­si­dent der IHK Wup­per­tal-Solin­gen-Rem­scheid. Er kün­dig­te eine Spen­de von 5000 Euro an und mach­te so alle auf und vor der Büh­ne sprachlos.

Klei­ne Bahn­an­la­ge am Ehren­mal wur­de zum Familientreff

Zum gewohn­ten Bild gehör­ten die Besu­cher, die mit frisch gekauf­ten Werk­zeu­gen unter­wegs waren. Jür­gen Kro­schew­ski hat­te eine Greif­zan­ge dabei. „Der Grei­fer ist für mei­ne Oma“, erklär­te er. „Sie ist 90 Jah­re alt und kann so etwas gebrauchen.“

Man konn­te auch unge­wöhn­li­che Gerä­te fin­den. Frank Flan­ze zeig­te eine Holz­stan­ge mit gekrümm­tem Metall­ha­ken und gab lachend zu: „Ja, sieht ein biss­chen mar­tia­lisch aus.“ Tat­säch­lich war es ein Fugen­krat­zer, mit dem sich Unkraut zwi­schen Geh­weg­plat­ten ent­fer­nen lässt. Mit dem Ham­mer, den Flan­ze in der ande­ren Hand trug, hat­te er das rich­ti­ge Los gezo­gen. Sein neu­es Werk­zeug war einer von 4000 Tom­bo­la-Prei­sen, die an die­sem Sams­tag aus­ge­schüt­tet wurden.

Ein Fami­li­en­treff war die klei­ne Bahn­an­la­ge am Ehren­mal. Mit ande­ren Eltern sah Corin­na Worbs zu, wie ihr Kind mit der Minia­tur­aus­ga­be eines Güter­zugs ein paar Run­den dreh­te. Sie kommt jedes Jahr gern zur Werk­zeug­kis­te. „Man unter­stützt die Unter­neh­men in Cro­nen­berg und für die Kin­der gibt es viel, was ihnen Spaß macht. Und man trifft immer wie­der ande­re Leute.“

Ein paar Meter wei­ter tum­mel­ten sich die Jüngs­ten am Stand des Ver­eins „Leben­di­ges Woh­nen an der Wup­per“, der das ehe­ma­li­ge Akzen­ta-Gebäu­de zu einem Wohn­haus umbau­en möch­te. Dort stand die „Luft­bal­lon­knall­bank“, die Ver­eins­mit­glied Roland Diet­rich gebaut hat­te. Wer woll­te, nahm auf einem Bla­se­balg Platz und brach­te mit sei­nem Kör­per­ge­wicht einen Bal­lon zum Plat­zen. Das Metall­ge­rüst, an dem die Bal­lons hin­gen, war ech­te Hand­werks­ar­beit – und Recy­cling noch dazu. Diet­rich: „Das sind alles Abfallstücke.“

Eini­ge Kin­der hat­ten sel­ber Trö­del­stän­de. Lin­da (12) und Fran­zis­ka (11) ver­kauf­ten unter ande­rem Bücher, Spie­le und Kla­mot­ten. „Unser Kel­ler quillt über“, sag­te Fran­zis­ka. „Die Werk­zeug­kis­te ist eine gute Gele­gen­heit, die Sachen zu ver­kau­fen.“ „Die bes­ten Kun­den sind klei­ne Kin­der, die hier irgend­was sehen“, mein­te Lin­da. Sie berich­te­te von einem Mäd­chen, das sich bei ihrem Vater über ihre unbe­que­men, engen Schu­he beklag­te. Als letz­te Ret­tung kauf­te er am Stand der bei­den Freun­din­nen ein Paar Sandalen.

Über die dies­jäh­ri­gen Erlö­se für den guten Zweck woll­te Ste­fan Alker noch nicht spre­chen. Die genau­en Zah­len stün­den erst in ein paar Wochen fest. Aber er war opti­mis­tisch. Bei der 23. Cro­nen­ber­ger Werk­zeug­kis­te 2015 wur­de die Mil­lio­nen­gren­ze geknackt. „Wir arbei­ten Schritt für Schritt an der zwei­ten Mil­li­on“, sag­te Alker.